Tag 3 - Mittwoch, 25.05.22, Teil 1: Felsenkloster Davit Gareja an der Grenze zu Aserbaidschan
Vom Großstadttrubel in Tiflis mitten in die Einöde an der Grenze zu Aserbaidschan - was für ein Szenenwechsel!
Ich bin schon ein paar Mal gefragt worden, ob es viele Touristen hier gibt: es hält sich wirklich sehr in Grenzen. Deutsche habe ich bisher kaum gesehen. Im Hotel in Tiflis war neben mir eine - wie ich zuerst dachte - türkische Reisegruppe. Beim näheren Nachdenken können es aber auch Aserbaidschaner gewesen sein, denn die Sprache ist sehr ähnlich und Aserbaidschan ist hier näher als die Türkei.
Ich nach dem Frühstück meine Sachen zusammengepackt, ausgecheckt und zum Auto. Aus Tiflis raus ging es recht gut, denn ich fuhr ja entgegen dem Berufsverkehr. Etwa 50 km ging es auf einer Art Kraftfahrtstraße mit vier bis sechs Spuren aus Tiflis heraus. Mittlerweile habe ich mich an den Verkehr gewöhnt: es wird immer wieder überholt, wo eigentlich kein Platz ist, aber wenn man aufmerksam fährt und Platz macht so weit es geht, dann funktioniert es.
Dann kam meine Abzweigung zum Höhlenkloster David Gareja, UNESCO-Weltkulturerbe. Dorthin war ich nun fast der Einzige auf der Straße. Wer "Das Café am Rande der Welt gelesen hat": hier muss es irgendwo sein. Die Landschaft wurde immer karger, immer unwirtlicher, eine baumlose Steppe.
Aber ich war positiv überrascht: auf den Bildern, die ich bisher gesehen habe, ist alles braun und vetrocknet - heute hingegen war es überall grün. Es ist eine faszinierende Landschaft. Hügelzug reiht sich an Hügelzug. Immer wieder gibt es weite Ausblicke in die Ferne. Da hinten irgenwo muss Aserbaidschan sein.
Georgische Cowboys weiden ihre Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde.. und man kann blicken bis zum Horizont. Ortschaften gibt es so gut wie nicht, eingezäunte Weiden auch nicht. Die Tierherden laufen einfach so in der Landschaft herum. Mal alleine für sich - mal bewacht von einem Schäfer und seinen Schäferhunden. Mal mitten auf der Straße.
Die Straße reicht manchmal bis zum Himmel. Mal fahre ich auf einem Kamm. Links kann ich den Kaukasus und die Weingegend von Georgien sehen. Rechts, das muss schon Aserbaidschan sein. Es ist Postkartenwetter: strahlender Sonnenschein und total klare Luft. Eine faszinierende Lanschaft, wie ich sie noch nie gesehen habe!
Am allerletzten Ende der Straße dann das Höhlenkloster David Gareja. Wohnräume und Arbeitsräume in den Fels geschlagen und mit einer Kirche ergänzt. Der Bergkamm gehört bereits zu Aserbaidschan. Georgische Grenzsoldaten passen genau auf, dass man nicht weitergeht als erlaubt.
Hier ist man wirlich am Ende der Welt.

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