Stepanzminda - Willkommen in Russland
Erinnerten mich meine bisherigen Stationen eher an Italien, die Toskana oder das Allgäu, so erinnert mich Stepanzminda an Russland oder gar die Sowjetunion.
Stepanzminda ist eine große Enttäuschung. Das "Zentrum" (Bild) ist nichts weiter als ein staubiger Parkplatz mit Schlaglöchern und gammeligen Mini-Märkten. Bänke zum Ausruhen, ein bisschen grün, ein Café? - Fehlanzeige. Es gibt zwar ein paar moderne Hotels. Aber das ist sehr punktuell.
Ich habe heute eine Ferienwohnung. Also wollte ich die Gelegenheit nutzen und mir mal ein paar Spaghetti zum Abendessen machen. Ich also in den ersten Markt, den größten von allen, und Nudeln gesucht: nichts. Keinerlei Nudeln im Angebot. Stattdessen ganze Regale voll mit Chips, Energy-Drinks und sonstigem unnützen Zeug.
Außerdem brauchte ich etwas Obst für das Müsli am nächsten Morgen. Auch hier nichts Gescheites im Angebot.
Ich also in den nächsten Markt, einen kleinen Mini-Markt. Draußen hatten sie ein bisschen Obst. Ich also zwei Äpfel (wohl eine Art Granny Smith) genommen (die ich dann übrigens weggeworfen haben, weil sie nicht genießbar waren) und zur sowjetischen Verkäuferin vom Typ ältere Matrushka mit Kittelschürze hin (mein "hello" wurde nicht erwidert). Sie mir gedeutet, dass ich die Äpfel auf die Waage legen solle: 4 Lari 15.
Ich mein Kleingeld überflogen: scheint nicht zu reichen. Höchstens 3 Lari irgendwas. Also strecke ich ihr einen 20 Lari-Schein hin (ca. 7 Euro).
Sie genervt und angedeutet, dass sie nicht wechseln kann. Ich solle mein Kleingeld auf die Waage legen. Sie gezählt und hat dann die 3 Lari 90 als Kleingeld genommen. Es gab dann noch ein gezwungenes "bye" und tschüss.
Im nächsten Mini-Markt habe ich dann nochmal nach Nudeln gesucht. Die jüngere, hochgeschminkte sowjetische Verkäuferin war gerade am Handy. Also konnte ich mich umschauen und entdeckte tatsächlich eine Packung Barilla-Nudeln (mit russisch-georgischem Aufkleber. Offenbar Importware). Die habe ich mir dann sofort geschnappt und die Verkäuferin dann noch gefragt, ob "das hier" Joghurt sei, was sie bejahte. Nun hatte ich alles zusammen.
Stepanzminda ist ein ganz komischer Ort: überall liegt etwas rum, Gebäude sind gammelig oder nur halbfertig, hier und dort Müll oder Autoreifen, keiner scheint sich darum zu kümmern, den Ort etwas schöner zu machen. Handwerker habe ich einige gesehen - gearbeitet haben aber die wenigsten.
Die Leute wirken alle misstrauisch. Von keinem gibt es mal ein freundliches Hallo oder gar ein Lächeln.
Die anderen Orte, in denen ich war, waren auch sehr arm und es gab vieles, was baufällig war. Aber es war immer mal jemand zu sehen, der die Straße gekehrt oder etwas repariert hat. Bevor ich hier herkam, hätte ich gesagt, Georgien ist ein sehr sauberes Land - hier stimmt das aber nicht mehr. Ob das die Nähe zu Russland macht? Oder die Fernfahrer-Kundschaft? Oder noch eine alte Sowjet-Mentalität - ich weiß es nicht.
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