Tag 12 - Samstag, 04. Juni 2022: in Batumi
Heute war Heiraten angesagt. Ich habe mehrere Paare gesehen, die heute offenbar ihren Weg zum Standesamt gefunden haben.
Hier wird gerade eine Braut in den roten Mercedes bugsiert - was gar nicht so einfach ist, bis das ganze Brautkleid in dem viel zu kleinen Auto ist...
Doch der Reihe nach.
Ich war heute morgen nach dem Frühstück so wie üblich ab etwa 9 Uhr unterwegs. Die Georgier sind Spätaufsteher, insofern war an der Strandpromenate so gut wie nichts los. Nur ein paar Jogger haben schon ihre Runde gedreht. Gestern gab es übrigens noch um halb zwei nachts "Bum-bum"-Musik, die durch die Täler zwischen den Hochhäusern geschallt ist. Insofern ist das dann auch verständlich, dass am Samstagmorgen um 9 Uhr noch nichts los ist.
Am frühen Morgen war es zunächst bewölkt, dann kam aber bald die Sonne heraus. 24 Grad waren vorhergesagt, es war aber ziemlich drückend den ganzen Tag, so dass es mir wärmer vorkam.
Ich bin die lange Strandpromenade zunächst an den Hotel-Hochhäusern vorbei bis zum Yachthafen und Hafen gelaufen, dann weiter in die Innenstadt, und von dort über Einkaufsstraßen wieder zurück.
Batumi bot sich mir heute durchaus auch ein anderes Bild.
Einerseits das eher touristische Viertel, in dem ich untergebracht bin, und das so vielleicht 3 km vom Stadtzentrum entfernt ist. Hier gibt es ein Hotel- und Appartmenthochhaus nach dem anderen, und es wird ohne Ende gebaut. Zwischendrin auch immer noch sozialistische Wohnblocks.
Es gibt Strandbars und Andenkengeschäfte, aber alles auf niedrigem Niveau. Russisch ist hier die dominierende Sprache. Danach Georgisch, selten mal Türkisch, aber nie eine westliche Sprache. Ich scheine der einzige Deutsche zu sein.
Und andererseits das Stadtzentrum von Batumi, wo es sich im Wesentlichen dann doch um eine "ganz normale" georgische Stadt handelt, in der "normale" Bürger leben.
Eines ist mir aber dann noch negativ aufgefallen. Laut Reiseführer ist die sogenannte "Piazza" das Zentrum der Stadt: ein im "venezianischen Stil" neu aufgebauter Platz, um den sich zahlreiche Nobelhotels und Nobelgeschäfte gruppieren. Offenbar hat man mangels eigener kultureller Vergangenheit einfach mal einen venzianischen Platz kopiert. Machen die Amerikaner ja auch.
Hier war dann auch eine Hochzeit angesagt und die Hochzeitsgäste sind dann mit Luxuskarossen bis hin zum Maserati durch die Gassen gefahren. Das war mir dann doch sehr suspekt. Wenn man sich in so einem Land, in dem die Leute von 250 Euro im Monat im Durchschnitt leben, einen Maserati leisten kann - dann kann irgendwas nicht stimmen.
Entsprechend waren auch die Geschäfte im Umfeld. Nobelmarken wie Gucci und Versace - dementsprechend alles austauschbar. Es hätte auch überall auf der Welt sein können - inklusive venezianischem Platz...
Zusammenfassend: Batumi ist doch eine ganz nette Stadt. Das nächste Mal - sollte ich nochmal hierher kommen - würde ich mir dann wohl eher ein Hotel in der Innenstadt nehmen. Auch wenn der Ausblick aus dem 25. Stock durchaus auch etwas für sich hat...
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